Reinigung in schwarzem Schlamm

Taucher in Kläranlagen

Auch ein Faulturm muss nach einigen Jahren gereinigt werden. Das ist nicht nur ein schmutziger, sondern auch ein körperlich und geistig anspruchsvoller Job. Bei einer klassischen Reinigung ist die Anlage je nach Faulturmvolumen drei bis acht Monate ausser Betrieb. Industrietaucher können die Anlage während des Betriebs störungsfrei reinigen und reparieren.

Interview mit Anton F. Ulrich
von Georg Lutz

Taucher und Kläranlagen. Das ist auf den ersten Blick eine seltsame Kombination für uns Laien. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Kläranlagen sind mit Wasser gefüllte Industrieanlagen und unterliegen dadurch auch Verschleiss- und Servicearbeiten. Und warum werden Taucher eingesetzt? Ich kann in der Regel die Klärbecken nicht leer machen, da entweder zu viel Wasser und Klärschlamm vorhanden sind oder der Grundwasserdruck zu hoch ist und die Gefahr besteht, dass das Wasser aus dem Boden gedrückt wird.

Jetzt sind Sie ja auch auf Faultürme spezialisiert. Wie hat man sich hier eine Reinigung vorzustellen?

Die Betriebsleiter der Kläranlagen kommen dann zu uns, wenn sich massive Verzopfungen gebildet haben. Haare, Hygieneartikel, Ohrstöpsel und vieles mehr backen sich zu Zöpfen zusammen und bilden eine Gefahr für die Infrastruktur der Anlage. Die Verzopfungen lagern sich zum Beispiel an den Rohren ab, der Turm kann nicht mehr entleert werden und es kommt zu Betriebsstörungen. Dann tauchen wir in den Turm und saugen diese Verzopfungen und den Schlamm ab.

Sie bieten eine Sanierung im Betriebszustand an?

Wir bieten eine Sanierung im kompletten Betriebszustand ohne Betriebsunterbrechung an, was sehr wichtig ist. Der Faulturm kann weiter betrieben werden, die Betriebstemperatur kann bis zu 37 Grad oben bleiben und wir stören die biologischen Abläufe nicht.

Mit welchen Techniken arbeiten Sie?

Wir tauchen in die Anlage und montieren Lufthebepumpen. Der Taucher entsorgt den verdickten Schlamm über Druckleitungen. Wir pumpen den Schlamm dann in Schlammstapelbehälter hinein und dort wird er dann mit der Kammerfilterpresse weiter komprimiert und zur Entsorgung vorbereitet.

Die Taucher arbeiten dort in völliger Dunkelheit. Das stelle ich mir vorsichtig formuliert nicht gerade einfach vor.

Sie haben Recht. Sobald wir wenige Zentimeter unter der Oberfläche sind, ist es stockdunkel. Wir sind aber alles gelernte Bautaucher und sind es gewohnt, in unterschiedlichsten Baugruben in völlig schwarzem Wasser zu tauchen. Die Orientierung erfolgt in der Regel durch das Grundrohr. Sobald ich dieses erreicht habe, weiss ich, wo ich mich befinde. Von dort wird der Schlamm entfernt, bis ich auf dem Grund bin.

Sie brauchen richtige Profis?

Unsere Taucher sind gelernte und geprüfte Berufstaucher. Die Taucher haben vor der Ausbildung zum Berufstaucher eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen (Schlosser, Schweisser, Maurer, Zimmermann usw). Gleichzeitig bieten wir optimale Schutzanzüge und eine perfekte Kommunikation zwischen Einsatztaucher im Faulturm und Signalmann.